Keine Gemeinschaftsschule in Mergentheim

Während sich die Nachbarkommunen Weikersheim, Igersheim und Lauda-Königshofen darum reißen, ihre Hauptschulen in Gemeinschaftsschulen umzuwandeln, wehren sich in Bad Mergentheim die rückwärts gewandten Kräfte im Gemeinderat aus ideologischen Gründen heftig dagegen. Auf kommunaler Ebene sabotieren vor allem CDU-Stadträte die Politik der grün-roten Landesregierung. Die Interessen ihrer Stadt scheinen ihnen dabei gleichgültig zu sein. Sie nehmen billigend in Kauf, dass die Eduard-Mörike-Schule wegen zu geringer Schülerzahl geschlossen wird. Sie enthalten den Kindern und ihren Eltern eine Schulform vor, die von vielen gewünscht wird. Selbst der Nachbargemeinde Igersheim gönnt man die Gemeinschaftsschule nicht indem man sich weigert, Mergentheimer Schüler, die eine Gemeinschaftsschule besuchen wollen, dort anrechnen zu lassen. Völlig überraschend und nicht mit den betroffenen Schulen abgesprochen beantragte die CDU-Fraktion, stattdessen einen Schulverbund zu gründen. Dies hätte bedeutet, dass die Eduard-Mörike-Schule und die Kopernikus-Realschule unter einer gemeimeinsamen Leitung gestanden wären. Eine Rektorenstelle würde dadurch wegfallen. Diese Scheinalternative wurde folgerichtig von beiden Schulen abgelehnt.

Was ist eine Gemeinschaftsschule?

Die Pisa-Studie hat gezeigt: In Deutschland hängt der Schulerfolg maßgeblich von der sozialen Herkunft ab. Kinder aus Migrantenfamilien oder bildungsfernen Schichten schneiden deutlich schlechter ab als Kinder aus Akademiker-Haushalten. Ein wertvolles Potential bleibt ungenutzt. Dabei ist Bildung die wichtigste Ressource, die wir als exportorientierte Industrienation benötigen. Die Gemeinschaftsschule will das ändern. Statt die Kinder nach dem 4. Grundschuljahr zu selektieren und zur Entscheidung für eine Schulform zu zwingen, die über ihren Bildungsabschluss und ihren weiteren Lebensweg entscheidet, können sie weiter gemeinsam lernen und alle Schulabschlüsse erreichen. Die Differenzierung zwischen unterschiedlichen Leistungsniveaus geschieht nicht mehr zwischen verschiedenen Schulen, sondern innerhalb einer Klasse. Das ermöglicht Schülern individuelle Förderung gemäß ihrer Begabung und Interessen. Im einen Fach können sie z.B. Gymnasialniveau erreichen, in einem anderen Haupt- oder Realschulniveau. Die Gemeinschaftsschule ist eine verbindliche Ganztagesschule, um den Bildungserfolg nicht mehr von der Hausaufgabenbetreuung in den Familien abhängig zu machen. Ausführliche Informationen über das Konzept der Gemeinschaftsschule finden Sie hier.

Im Main-Tauber-Kreis gehörten zwei Schulen zu den ersten 42 Gemeinschaftsschulen im Land, das Lernhaus Ahorn und die Pater-Alois-Grimm Schule in Külsheim. Auf den Webseiten dieser Schulen können Sie mehr über die Vorzüge der Gemeinschaftsschulen erfahren. Schüler und Eltern scheint das Konzept überzeugt zu haben. Waren beide zuvor auf Grund sinkender Schülerzahlen von der Schließung bedroht, so können sie seither über steigende Anmeldezahlen berichten.

Konsequenzen für die Schullandschaft in Bad Mergentheim

Schon jetzt sind die Anmeldungen an der Eduard-Mörike-Hauptschule in Bad Mergentheim drastisch zurückgegangen. Dieser Trend wird sich in Zukunft wegen der demografischen Entwicklung noch weiter fortsetzen. Wenn es weniger als 16 Schülerinnen und Schüler in Klasse 5 sind, droht die Schließung der Eduard-Mörike-Schule.

[Update 25.10.2014]

Während die Fraktionen der Freien Wähler, der Grünen und der SPD den Wunsch der Eduard-Mörike-Schule unterstützen, Gemeinschaftsschule zu werden, lehnt dies die CDU-Fraktion zusammen mit FDP/UB-Stadtrat Artur Schmidt weiter ab. Stattdessen hat sie am 23. Oktober 2014 im Gemeinderat, auch gegen den Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung durchgesetzt, dass ein Schulverbund zwischen der Kopernikus-Realschule (KRS) und der Eduard-Mörike-Schule (EMS) noch ausführlicher geprüft werden soll. Den Schulverbund aber wollen weder die EMS, noch die KRS. Rektor Knebel von der KRS machte darüber hinaus deutlich, dass die Zukunft der Haupt- und Werkrealschule durch einen Schulverbund nicht gesichert werden kann. Sinken die Anmeldungen der EMS auch innerhalb eines Schulverbunds zwei Jahre hintereinander unter 16, wird die Schule geschlossen.

 

Zwar hat der Fraktionsvorsitzende der CDU Andreas Lehr erklärt, den Schulverbund nicht gegen den erklärten Willen der betroffenen Schulen durchsetzen zu wollen. Die Alternative zur Erhaltung der EMS, ihr die Weiterentwicklung zur Gemeinschaftsschule zu erlauben, blockiert die CDU-Fraktion aber weiterhin. Während sie in der Diskussion um den Ausbau der Windkraft fordert, dass der Wille der Betroffenen entscheiden soll, setzt sie sich in Sachen Gemeinschaftsschule darüber hinweg. Der Bürgerwille ist bei der CDU nur so lange gefragt, solange er sich mit ihrer Meinung deckt.

[Update 27.03.2015]

Im dritten Anlauf und mit fast zweijähriger Verspätung hat's endlich geklappt. Mit 22:7 Stimmen hat der Bad Mergentheimer Gemeinderat in einer geheimen Abstimmung am 26. März 2015 beschlossen, der Einrichtung einer Gemeinschaftsschule an der Eduard-Mörike-Schule zuzustimmen. Zu groß war der Druck auf die Gemeinderäte geworden, die sich - den Willen von Eltern, Lehrern und Schulleitern ignorierend - gegen eine Gemeinschaftsschule gesperrt hatten. Die Eduard-Mörike-Schule kann damit zum Schuljahr 2016/17 ihr Konzept für eine Gemeinschaftsschule umsetzen.