Aus für Sender Bad Mergentheim

„Kleine Antenne. Großes Fernsehen“, das verspricht das „Informationsportal der Initiative DVB-T2 HD“ den Fernsehzuschauern von der Umstellung der digitalen Sendetechnik von DVB-T auf das hochauflösende DVB-T2. Um auch nach der Umstellung mit einer Antenne fernsehen zu können, muss man allerdings neue Geräte anschaffen, entweder eine sogenannte Settop-Box oder ein neues TV-Gerät. Alle öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme, einschließlich aller dritten, können damit kostenfrei in hochauflösender Technik empfangen werden. Gegen eine Gebühr kann man darüber hinaus über diesen Weg auch private Fernsehprogramme genießen. In den Ballungsgebieten erfolgte die Umstellung auf DVB-T2 bereits ab 27. März 2017, andere Sendegebiete sollten schrittweise folgen.

 

Freenet und ZDF verweigern Beteiligung

Doch für die Menschen im Versorgungsgebiet des Fernsehsenders Bad Mergentheim wird nichts aus diesen Versprechungen. Schlimmer noch, ab Herbst 2018 soll es hier gar kein Antennenfernsehen mehr geben. Der DVB-T-Sender Bad Mergentheim soll nicht auf die neue Technik umgestellt, sondern – wie auch die Sender Geislingen und Brandenkopf – ganz abgeschaltet werden. Das jedenfalls plant der SWR laut einer Aufstellung frei empfangbarer Programme in Baden-Württemberg (https://www.swr.de/-/id=19453526/property=download/nid=3786/sjqa8v/sender-kanaele-bw.pdf). Übrig bleiben dann nur die Möglichkeiten via Kabel, Satellit oder Internet fernzusehen. Der SWR begründet diese Senderabschaltung in seiner Antwort auf eine Anfrage der Grünen damit, dass sich „Freenet TV wie auch das ZDF nicht auf den Senderstandort Bad Mergentheim verständigen konnten“. Wenn aber die privaten Sender nicht mit ausgestrahlt werden, schreibt der SWR weiter, dann sinke die Nutzung des Antennenfernsehens deutlich unter den Bundesdurchschnitt von 3,3 Prozent. Die Fernsehzuschauer würden sich „um Empfangsalternativen bemühen, um wenigstens alle öffentlich-rechtlichen Sender sehen zu können“. Wenn nur noch ARD-Sender ausgestrahlt würden sei unter Kosten-Nutzen-Aspekten der Weiterbetrieb des Senders Bad Mergentheim nicht mehr zu rechtfertigen.

 

DVB-T2-Geräte nutzlos

Kommuniziert wurde die geplante Senderabschaltung bisher allerdings nur von einigen Technikportalen im Internet, nicht aber in den Medien der betroffenen Regionen. Die Bevölkerung konnte bislang davon ausgehen, dass die schrittweise Umstellung der DVB-T-Sendeanlagen auf DVB-T2 auch hier erfolgen wird. Für alle Fernsehzuschauerinnen und ‑zuschauer im Versorgungsgebiet des Fernsehsenders Bad Mergentheim, die sich im Vertrauen auf die Ankündigungen zur schrittweisen Umstellung auf die neue Sendetechnik bereits neue Geräte angeschafft haben, war diese Investition vergebens, sollte die Abschaltung tatsächlich erfolgen. Auch wenn es in einigen Fällen mit Hilfe einer Dachantenne funktionieren wird, weiter entfernte DVB-T2-Sender aus Bayern oder Hessen zu empfangen, wird es weiße Flecken in Tauberfranken geben, in denen kein DVB-T-Empfang mehr möglich ist.

 

Die Alternative, den Sender Bad Mergentheim mit dem bisherigen DVT-T-Standard weiter zu betreiben, um wenigstens das bisherige Angebot in Tauberfranken aufrecht zu erhalten, ist nach Auskunft des SWR aus technischen Gründen nicht möglich, da sich die Signale gegenseitig stören würden.

 

Grüne fordern Weiterbetrieb

Sicher wird das terrestrische Fernsehsignal von vergleichsweise wenigen Menschen genutzt. Die weit überwiegende Mehrzahl empfängt das Fernsehprogramm über Kabel oder Satellit, zunehmend auch übers Internet. Betroffen sind jedoch in jedem Fall Touristen, die während ihres Aufenthaltes mit einer kleinen Zimmerantenne terrestrisch fernsehen wollen. Die Grünen Main-Tauber wenden sich gegen die Benachteiligung der Bevölkerung im ländlichen Raum durch Abschalten des Fernsehsenders Bad Mergentheim, auch wenn dies rein rechtlich möglich ist, weil die Grundversorgung auf anderem Weg gesichert ist. Politisch halten die Grünen Main-Tauber diesen Schritt aber für falsch. Sie sehen darin einen Standortnachteil, den es zu verhindern gilt.

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