Bleibt Wertheim Hochschulstandort?

MdL Hermino Katzenstein besuchte Polizeihochschule Wertheim

Von links: Phlipp Lutzmann, Birgit Väth, MdL Hermino Katzenstein, Richard Zorn, Dieter Kuhnmünch, Rainer Moritz und Jörg Reutter
Von links: Phlipp Lutzmann, Birgit Väth, MdL Hermino Katzenstein, Richard Zorn, Dieter Kuhnmünch, Rainer Moritz und Jörg Reutter

Die Zukunft der Hochschule der Polizei in Wertheim ist unsicher. Ihr Bestand ist nur noch bis 2023 garantiert. Dies veranlasste MdL Hermino Katzenstein (Grüne), der Landeseinrichtung in seinem Betreuungswahlkreis Main-Tauber einen Informationsbesuch abzustatten. Begleitet wurde er dabei von den Kreisvorstandsmitgliedern der Grünen Birgit Väth, Dieter Kuhnmünch, Philipp Lutzmann, Rainer Moritz und Thomas Tuschhoff.

Richard Zorn, Leiter des Institutsbereichs Ausbildung und sein Mitarbeiter Jörg Reutter begrüßten die Besuchergruppe. Richard Zorn, „Polizist aus Überzeugung“, wie er sich selbst beschrieb, berichtete, dass er 2017 die auf einem Areal verteilten 7 Gebäude in einem sehr schlechten Zustand übernommen habe. Es sei ihm in Zusammenarbeit mit Vermögen und Bau des Landes in Heilbronn gelungen, sie in sehr kurzer Zeit für die Nutzung als Polizeihochschule herzurichten. Neben den Unterkünften mussten vor allem größere Lehrsäle eingerichtet werden. Inzwischen umfass der Standort 13 Gebäude auf zwei Arealen.

Gleichmäßigere Einstellungen bei der Polizei gefordert

Aktuell ist Wertheim einer von fünf Ausbildungsorten der Polizei in Baden-Württemberg. Hintergrund sei die 5 Jahre laufende „Einstellungsoffensive 3“, bei der jährlich 1.800 Polizistinnen und Polizisten eingestellt und „für den schönsten sozialen Beruf“ ausgebildet würden. Mit dem Auslaufen dieser Offensive im Jahr 2023 sei auch der Standort Wertheim gefährdet. Zorn sprach sich für kontinuierlichere Einstellungs- und Ausbildungszahlen von Polizeibeamten aus. Damit sollten künftig Personalprobleme bei der Polizei durch entsprechende Pensionierungswellen verhindert werden, „durch die auch viel Wissen verloren geht“, wie Jörg Reutter ergänzte.

In der Polizeihochschule seien 95 Personen tätig, davon über 50 Prozent Tarifangestellte. Die Ausbilder der Polizei würden überwiegend vom Polizeipräsidium Heilbronn gestellt und dadurch an anderer Stelle fehlen. Momentan würden 10 Klassen mit ca. 30 Schülern unterrichtet. Bei den Auszubildenden liege der Frauenanteil bei fast 50 Prozent. In Wertheim finde die komplette Ausbildung für den mittleren Polizeivollzugsdienst und zusätzlich die neunmonatige Vorausbildung für den gehobenen Dienst statt. Für den Standort Wertheim spreche „der beste Unterbringungsstandard in ganz Baden-Württemberg“ sowie die Lage an der Grenze zu Bayern und Hessen. Dadurch bekomme man auch Bewerberinnen und Bewerber aus anderen Bundesländern.

Sorgen wegen Zeitverträgen

Sorgen bereiten dem Leiter Richard Zorn die Zeitverträge für die Angestellten bis 2023. Er fürchtet, dass sich Tarifbeschäftigte schon bald eine unbefristete Stelle suchen und abwandern werden. Es werde dann nahezu unmöglich, für eine nur noch kurze Restzeit neue Kräfte einzustellen.

Wegen der unklaren Zukunft ist die 2015 bei einem Brandanschlag beschädigte und dringend benötigte Turnhalle noch nicht wieder instandgesetzt worden. Für über zwei Millionen Euro seien dagegen „Trainingsgebäude für sogenanntes situatives Handlungstraining“ und eine sehr moderne Raumschießanlage eingerichtet worden. Richard Zorn wünschte sich von MdL Katzenstein Unterstützung für die Instandsetzung der Turnhalle und positive politische Begleitung für einen Betrieb des Ausbildungsstandortes der Hochschule über das Jahr 2023 hinaus. Außerhalb der Dienstzeit stünde die Sporthalle selbstverständlich den örtlichen Vereinen für Trainingszwecke zur Verfügung.

Keine Toleranz für Rechtsextremismus

Auf die Frage von Thomas Tuschhoff nach rechtsextremistischen Kräften unter den Polizeischülern erklärte Richard Zorn, dass er gemeinsam mit seinen Lehrkräften großen Wert darauf lege, dass jeglicher politischer Extremismus keinen Platz in seiner Einrichtung habe. Sie seien sehr aufmerksam dafür und wenn so etwas auffalle, werde es zur Anzeige gebracht. Bei einem anschließenden Rundgang konnte sich die Delegation der Grünen von der gelungenen Renovierung der Unterkünfte überzeugen.

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