Frankenbahn für alle

Landtagskandidat Dr. Leonhard Haaf

In ihrer Resolution, die sie Landrat Frank in der letzten Kreistagssitzung übergeben hat, fordert die Bürgerinitiative „Frankenbahn für alle“, dass sich der Landkreis an die Landesregierung wendet mit dem Wunsch, die Bedingung für den dauerhaften Weiterbetrieb der Regionalbahn zwischen Osterburken und Würzburg von 500 Personenkilometern pro Tag aufzugeben.

Für uns Grüne ist klar, dass die Fahrgastzahlen in allen öffentlichen Verkehrsmitteln wegen der Corona-Pandemie stark zurückgegangen sind. Die Menschen haben Angst vor Ansteckung und weichen deshalb auf andere Verkehrsmittel aus. Die Schulen sind geschlossen, so dass kein Schülerverkehr stattfindet. Und durch Arbeiten im Home-Office sind weniger Menschen unterwegs. Die aktuellen Fahrgastzahlen der Regionalbahn Osterburken-Lauda können deshalb nicht als Entscheidungskriterium für ihren Weiterbetrieb genutzt werden. Das sieht auch das Verkehrsministerium in Stuttgart so. Die pandemiebedingten Einbrüche müssen natürlich berücksichtigt werden.

Die Fahrgastzahlen blieben allerdings schon vor Corona hinter den Erwartungen zurück, obwohl die Landkreisverwaltung des Main-Tauber-Kreises viel dafür getan hat, das Ziel von 500 Personenkilometern pro Tag zu erreichen. Sie hat zum Beispiel die Buslinien und -fahrpläne auf den Zug abgestimmt, Schülerverkehr auf die Bahn verlagert und in den Medien zahlreiche Aufrufe zum Bahnfahren verbreitet. Es liegt nun auch an den Anliegergemeinden, mehr für die Verlagerung von Verkehr auf die Schiene zu tun, etwa mit Finanzhilfen des Landes Bahnhöfe zu sanieren und stillgelegte Haltepunkte zu reaktivieren. Betriebe sollten Anreize für ihre Mitarbeitenden schaffen, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Sie können beispielsweise dem Vorbild des Landkreises folgen und Jobtickets ausgeben.

Keine Landesregierung zuvor hat die Verkehrswende so stark vorangetrieben wie die jetzige, grün geführte. Obwohl das eigentlich nicht ihre Aufgabe ist, fördert sie die Sanierung und Modernisierung von Bahnhöfen. Verkehrsminister Winfried Hermann hat flächendeckend mindestens Stundentakt von 5 bis 24 Uhr und den Baden-Württemberg-Tarif eingeführt, mit dem man mit einem Fahrschein verbundübergreifend und preisgünstig öffentliche Verkehrsmittel im ganzen Land nutzen kann. In einem im Auftrag der Allianz pro Schiene, des BUND und des Deutschen Verkehrssicherheitsrats durchgeführten Vergleich aller 16 Bundesländer bezüglich Nachhaltigkeit im Verkehr belegt Baden-Württemberg Platz 1 (https://gruenlink.de/1x3h). Auf diesen Lorbeeren wollen wir uns nicht ausruhen. Die Verkehrswende wollen wir in den nächsten fünf Jahren weiter vorantreiben.

Wir Grüne im Allgemeinen – und ich als Landtagskandidat im Besonderen – hoffen sehr, dass nach dem Ende der Pandemie wieder mehr Menschen die Regionalbahn Osterburken-Würzburg nutzen werden, statt Auto zu fahren. Das ist ein unverzichtbarer Beitrag zum Klimaschutz. Klar ist aber auch, dass ein Angebot im öffentlichen Verkehr dem Bedarf angepasst sein muss. Für einen Zugverkehr werden üblicherweise mindestens 1.000 Personenkilometer pro Tag gefordert. Mit einem Mindestwert von 500 Personenkilometern pro Tag ist das Verkehrsministerium schon sehr weit darunter geblieben. Sollten die Nutzungszahlen dauerhaft zu gering sein, kann auch der Landkreis den hohen Zuschussbedarf kaum mehr rechtfertigen. Nun liegt es an den Akteuren in den Landkreisen Neckar-Odenwald und Main-Tauber, die Fahrgastzahlen in der Regionalbahn zu steigern.

Dr. Leonhard Haaf

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